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Alle Achtung:
Heute frühstücken wir stilvoll aus thailändischem
Geschirr mit Golddekor. Und die äusserst elegant gekleidete
Dame des Hauses kümmert sich rührig um uns und schenkt
uns Kaffee nach, kaum dass die Tasse ausgetrunken ist. So starten
wir erst mal recht stilvoll in den Tag.
Ein paar
Stunden später als Dank dafür ein erneutes Déja-Vu-Erlebnis
in Künzelsau: Die einzigen noch verfügbaren Zimmer gibt
es just in dem Gasthof, in dem ich 2006 schon zu Gast war. Der
Wirt guckt immer noch genauso verschlossen, die Zimmer sind genauso
spartanisch, jedoch sauber. Immerhin gibt's nun einen separaten
Frühstücksraum, der so gestaltet ist, dass der Wirt
den Gästen nicht mehr auf die Teller sieht, wenn er Zeitung
lesend am Tresen steht. Die Velos konfisziert er aber erstmal
und lässt sich auch nicht helfen, sie in den Veloraum zu
transportieren. Was der wohl schon für Erfahrungen mit Radreisenden
gemacht hat? Zechprellerei und dergleichen? Nun, wir haben eh
keine Wahl, die anderen Hotels sind alle ausgebucht und ausserdem
kann ja nicht jeder ein Sympathieträger sein. Und so uneben
ist er auch nicht, der Herr Wirt, wie sich nach ein paar Sätzen
Smalltalk am nächsten Morgen erweist. Später erfahren
wir, dass die Betriebe hier in der Gegend gewisse Hotelkontingente
für ihre Kunden, Seminar- und sonstigen Gäste buchen.
Deswegen ist hier soviel los. Muss man natürlich auch wissen.
Die Routenführung
des Kocherradweges ist anscheinend geändert worden. Von Bad
Friedrichshall geht es nun erstmal auf der ehemaligen Bahntrasse
der stillgelegten Kochertalbahn entlang. Mein Bikeline-Buch von
2006 zeigt noch die ursprüngliche Tour auf kleinen Wegen
am Talrand, die ich damals auch gefahren bin. Weil man nun flach
im Talgrund radeln kann, kommen wir heute recht schnell voran,
besonders da der Wind endlich ein Einsehen hat und von hinten
schiebt. Das Wetter ist prima, wenn auch kühl, ein richtiger
Frühherbsttag eben. Und das bei diesem typisch tiefblauen
Himmel. Allmählich verfärbt sich auch das Laub. Und
die Streckenführung hier ist wirklich sehr gut.
Alles ist asphaltiert, nur irgendwo dazwischen radeln wir mal
kurz auf Naturwegen. Wir machen Pause in Sindringen, kommen an
netten Städtchen wie Forchtenberg oder Niedernhall vorbei
und freuen uns einfach generell über die Kombination aus
schöner Landschaft und idealem Radweg.
Die Künzelsauer
Innenstadt gibt nicht unbedingt so wahnsinnig viel her, besonders
wenn man, wie wir in den letzten Tagen, eine ganze Reihe von Städten
mit herausragendem Stadtbild besichtigt hat. Immerhin hat man
hier seit meinem letzten Besuch einiges neu gestaltet und man
kann ja nicht an jede Stadt dieselbe Messlatte anlegen. Ausserdem
versöhne ich mich mit dem Hotel Anna Sophie, das mich damals
so schnöde abblitzen liess. Wir essen hier zu Abend in
ihrem Restaurant, sitzen in dessen Wintergarten mit Blick auf
das Schloss, kommen ins Gespräch mit den Leuten hier und
die leidige Sache von damals (die vermutlich mit einer einzigen
Person stand und fiel) ist vergessen. Übrigens essen wir
hier hervorragend, es ist der kulinarische Höhepunkt dieser
Reise. Und so widerrufe ich hiermit feierlich mein Statement von
damals.
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