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Mittwoch, 14. September 2011
Von Bad Wimpfen nach Künzelsau (57 Km)

Alle Achtung: Heute frühstücken wir stilvoll aus thailändischem Geschirr mit Golddekor. Und die äusserst elegant gekleidete Dame des Hauses kümmert sich rührig um uns und schenkt uns Kaffee nach, kaum dass die Tasse ausgetrunken ist. So starten wir erst mal recht stilvoll in den Tag.

Ein paar Stunden später als Dank dafür ein erneutes Déja-Vu-Erlebnis in Künzelsau: Die einzigen noch verfügbaren Zimmer gibt es just in dem Gasthof, in dem ich 2006 schon zu Gast war. Der Wirt guckt immer noch genauso verschlossen, die Zimmer sind genauso spartanisch, jedoch sauber. Immerhin gibt's nun einen separaten Frühstücksraum, der so gestaltet ist, dass der Wirt den Gästen nicht mehr auf die Teller sieht, wenn er Zeitung lesend am Tresen steht. Die Velos konfisziert er aber erstmal und lässt sich auch nicht helfen, sie in den Veloraum zu transportieren. Was der wohl schon für Erfahrungen mit Radreisenden gemacht hat? Zechprellerei und dergleichen? Nun, wir haben eh keine Wahl, die anderen Hotels sind alle ausgebucht und ausserdem kann ja nicht jeder ein Sympathieträger sein. Und so uneben ist er auch nicht, der Herr Wirt, wie sich nach ein paar Sätzen Smalltalk am nächsten Morgen erweist. Später erfahren wir, dass die Betriebe hier in der Gegend gewisse Hotelkontingente für ihre Kunden, Seminar- und sonstigen Gäste buchen. Deswegen ist hier soviel los. Muss man natürlich auch wissen.

Die Routenführung des Kocherradweges ist anscheinend geändert worden. Von Bad Friedrichshall geht es nun erstmal auf der ehemaligen Bahntrasse der stillgelegten Kochertalbahn entlang. Mein Bikeline-Buch von 2006 zeigt noch die ursprüngliche Tour auf kleinen Wegen am Talrand, die ich damals auch gefahren bin. Weil man nun flach im Talgrund radeln kann, kommen wir heute recht schnell voran, besonders da der Wind endlich ein Einsehen hat und von hinten schiebt. Das Wetter ist prima, wenn auch kühl, ein richtiger Frühherbsttag eben. Und das bei diesem typisch tiefblauen Himmel. Allmählich verfärbt sich auch das Laub. Und die Streckenführung hier ist wirklich sehr gut.
Alles ist asphaltiert, nur irgendwo dazwischen radeln wir mal kurz auf Naturwegen. Wir machen Pause in Sindringen, kommen an netten Städtchen wie Forchtenberg oder Niedernhall vorbei und freuen uns einfach generell über die Kombination aus schöner Landschaft und idealem Radweg.

Die Künzelsauer Innenstadt gibt nicht unbedingt so wahnsinnig viel her, besonders wenn man, wie wir in den letzten Tagen, eine ganze Reihe von Städten mit herausragendem Stadtbild besichtigt hat. Immerhin hat man hier seit meinem letzten Besuch einiges neu gestaltet und man kann ja nicht an jede Stadt dieselbe Messlatte anlegen. Ausserdem versöhne ich mich mit dem Hotel Anna Sophie, das mich damals so schnöde abblitzen liess. Wir essen hier zu Abend in ihrem Restaurant, sitzen in dessen Wintergarten mit Blick auf das Schloss, kommen ins Gespräch mit den Leuten hier und die leidige Sache von damals (die vermutlich mit einer einzigen Person stand und fiel) ist vergessen. Übrigens essen wir hier hervorragend, es ist der kulinarische Höhepunkt dieser Reise. Und so widerrufe ich hiermit feierlich mein Statement von damals.

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