Und doch beginnt diese Reise mit einem Frühlingstag, wie er im Buche steht: Alles ist in voller Blüte, die Obstbäume, die Kastanien, der Flieder, dessen von mir so geliebter Duft aus dem Garten bis in die Wohnung dringt. In der Nachbarschaft wird Rasen gemäht und es riecht eben dann auch noch wunderbar nach Gras. Die Reifen meines Rades werden nochmals auf Maximaldruck gepumpt, die Packtaschen montiert und schon bin ich startbereit. Zürich verlässt man nach Norden zu am besten auf dem Radweg entlang des Flüsschens Glatt. So kommt man problemlos und verkehrsfrei durch das ganze Labyrinth aus Umgehungsstrassen und Bahnlinien. Dumm ist nur, dass heute der Radweg unter den Brücken überflutet ist. Wie tief dort das Wasser steht, vermag ich nicht zu sagen. Es hat halt viel geregnet in letzter Zeit. Dazu kommt noch das Schmelzwasser aus den Bergen. Da gilt es eben etwas zu improvisieren und sich Umfahrungen suchen und schon ist man wieder auf Kurs. Spätestens beim Flughafen hat man das alles eh hinter sich gelassen und sowieso Asphalt unter den Reifen und man kann beruhigt in den Cruise-Modus übergehen. Von hier an geht es gefühlt leicht bergab bis zur Mündung der Glatt in den Rhein.

Dort ändert sich auch der Charakter der Strecke, denn von nun an wartet hügeliges Terrain auf den Radler. Wie üblich setze ich bei Eglisau über den Fluss, arbeite mich innerorts den Anstieg hoch, der mir auch jedes Mal steiler zu werden scheint und bin alsbald oben auf der Ebene, dem Rafzer Feld, angekommen. Es folgt mit der Durchfahrt durch die Orte Lottstetten und Jestetten ein erster Ausflug auf Deutsches Hoheitsgebiet, ehe ich mich bei Neuhausen wieder auf Schweizer Boden befinde. Unter mir der Rheinfall, von wo man seit neuestem die erstaunlichsten Gerüchte hört:

 

Man plant hier anscheinend ein grosses Wasserkraftwerk, womit das Rheinfallbecken und vor allen Dingen der Wasserfall selbst wohl seinen Charakter komplett verändern und damit auch seine touristische Anziehungskraft verlieren würde.

An der Schaffhausener Schifflände liegt schon wieder ein abfahrtsbereites Ausflugsschiff mit Destination Stein am Rhein unter Dampf, doch anders als bei meiner 2010er Frühlingsreise widerstehe ich heute der Versuchung, mein Rad an Bord zu rollen und mich mitnehmen zu lassen. Angesichts des angenehmen Frühlingswetters möchte ich mich lieber selber bewegen und nicht transportiert zu werden. So radle ich stadtauswärts weiter, immer am Fluss entlang. An einer Parkbank lehnen zwei Liegeräder und die dazugehörigen Piloten hantieren mit einer Landkarte herum. Werden wohl Holländer sein, denke ich mir, den Radhersteller und die Geografie des Flusslaufs gedanklich miteinander kombinierend. Ist für holländische Radler bestimmt auch ein verlockendes Reisethema, einmal den ganzen Rhein entlang zu radeln.

Für mich bedeutet die heutige Etappe ein Ritt auf altbekannten Wegen. Auch das letzte Dutzend Kilometer gehört dazu. Ärgerlich ist nur die neue Kiesaufschüttung auf dem Waldweg zwischen Obergailingen und Bibermühle. Hier geht es recht steil bergab und mit dem groben Kies wird das wirklich zum Balanceakt. Hoffentlich setzt sich das alles bald, damit der Weg in Zukunft wieder besser befahrbar sein wird. In Ramsen wartet beim Gasthof Hirschen bereits ein Zimmer auf mich - und ein Autogramm von Fabian Cancellara, dass mir der Wirt, Herr Neidhart, die gute Seele, tatsächlich aufgehoben hat.

 

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    Die ersten Hindernisse auf der Reise...  
           
    ...der von der Glatt überflutete Radweg unter den Strassenbrücken.  
           
    Endlich freie Fahrt und Asphalt unter den Reifen  
           
    Blick auf die Glatt  
           
    Unterwegs im Rafzer Feld  
           
    Endlich Frühling!  
           
    ...  
           
    Rheinpromenade bei Schaffhausen  
           
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