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| Auch für heute habe
ich mir ein Zimmer vorreserviert. Und zwar in Messkirch. Früher bin
ich auf derselben Route zwar immer noch bis zur nächsten grösseren
Stadt geradelt, also bis nach Mengen, doch der Wetterbericht prophezeit
Regenwetter und da tendiere ich eher zu einem früheren Etappenende.
Und wirklich benötige ich am Morgen die entsprechende Kleidung. Wasserdicht
und atmungsaktiv eingepackt rolle ich aus der Hoteleinfahrt und peile -
die Hegauvulkane vor mir - meinen ersten Programmpunkt an, die Stadt Singen.
Zuerst mal, und jetzt endgültig, über die Deutsche Grenze. Und
siehe da, der Regen lässt nach. Was jetzt nicht heissen soll, dass
Regen ausschliesslich ein Schweizer Phänomen wäre, wie man später
noch sehen wird. Die Durchquerung Singens entlang der Aach gestaltet sich
recht angenehm, weil sehr still. Noch ist kaum eine Menschenseele unterwegs.
Ein paar Angler meditieren am Flussufer, und ab und an bringen sich ein
paar Enten watschelnd in Sicherheit, vom Knirschen des Kieses unter meinen
Reifen aufgeschreckt. Bald schon liegt die Stadt hinter mir.
Heute ist ein Feiertag und deswegen geht es recht ruhig auf den Strassen zu. Dafür haben die Hundebesitzer noch nicht ausgeschlafen und mit einem beziehungsweise einer gibt es halt wieder mal so ein Semi-Problem, weil die Dame, ihrerseits in eine Unterhaltung mit jemand anderem verwickelt, ihren Hund weder im Blick noch im Griff hat. Das Tier, eine durchaus nicht kleines, läuft schon aus hundert Meter Entfernung bellend auf mich zu und die Rufe der nun alarmierten Besitzerin verhallen wirkungslos. Als Liegeradfahrer steht man in solchen Situationen, also wenn es einem zu brenzlig erscheint, aus dem Sitz auf, ergibt sich damit als Mensch zu erkennen und stellt sich hinter das Rad, am besten mit gezückter Luftpumpe. Auch wenn sich die Dame entschuldigt, bleibt so ein flaues Gefühl im Magen zurück. Ich bin ziemlich patzig, was mir bei der Weiterfahrt dann auch wieder Leid tut. Aber verflixt, ich will einfach in Ruhe meiner Wege ziehen und meinen Frieden haben und nicht wegen jeder Töle in Habacht-Stellung gehen müssen. Ja, Frieden...über Friedingen und dem Weiler Maierhöfe steuere ich das Rad nach Steisslingen, gleite dort am Teich vorbei und durch den Ort selber und erklimme anschliessend den Berg, der zwischen mir und dem Städtchen Wahlwies liegt. Meine Bremsen bekommen zum ersten Mal auf dieser Reise so richtig Arbeit, denn die Abfahrt nach Wahlwies weist nicht gerade wenige Steigungsprozente auf. Als ich den Radweg in Richtung Stockach nehme, brauche ich die Regensachen wieder für ein Weilchen. Dieser Abschnitt bis kurz vor Stockach bietet einen Blick zum Bodensee, den ich sehr gerne mag. Heute möchte ich mir, anders als auf früheren Touren, den leidigen Stadtverkehr in Stockach ersparen und auch auf die stark befahrene und ansteigende Landstrasse zwischen Stockach und Zoznegg lege ich keinen besonderen Wert. |
Deswegen folge ich kurz vor der Stadt der Beschilderung einer Umfahrung, dem "Stockach Radweg", und biege etwas später in eine Strasse ein, die mich nach Osten in eine Ortschaft namens Winterspüren bringt. Hinter Winterspüren nun wartet der "Radweg Schwäbische Alb" auf mich. Es geht links ab, ein kleines Tal mit einem Bachlauf entlang. Schön ruhig und beschaulich ist das, bis auf eine Störung in Gestalt einer Gruppe mit Quads, also vierrädrigen Mopeds, die mich irgendwann mal knatternd überholen, als ich schon in der Steigung hänge. Dieser Anstieg nun fängt ganz sanft und harmlos an, wird aber immer steiler und der letzte Kilometer bis kurz vor dem Weiler Sonnenberg ist mit der steilste, den ich jemals hinauf getreten bin. Es geht etwas moderater weiter. In weitem Bogen führt mich mein Weg zu genau jener Landstrasse, die von Stockach nach Zoznegg verläuft und deren Anstieg, meist bei regem Autoverkehr, ich unbedingt vermeiden wollte. Doch von dem Punkt an, bei dem ich nun auf diese Strasse treffe, geht es nur noch 2 Km leicht bergab bis Zoznegg, wo allerdings nochmals ein steiler Streckenabschnitt auf mich wartet. Genug der Höhenmeter. Oben angekommen bin ich in etwa auf dem Höhenniveau der Donau, wahrscheinlich sogar drüber, denn der Fluss, dessen Tal ich nun folge, die Ablach, fliesst ja zur Donau hin. Bevor ich jedoch in den Genuss der kleinen Strässchen im Ablachtal komme, muss ich noch durch eine Passage mit Kieswerk samt Baggerseen radeln und auch hier hat man recht groben Kies aufgeschüttet, ähnlich wie auf dem Abschnitt des Rheinradweges gestern gegen Ende der Etappe. Messkirch wartet mit einer spektakulären Barockkirche auf, mit einer
Schlossanlage und einem mittelalterlichen Stadtbild. Aber auch mit einem
bedrückenden Phänomen, nämlich dem Lädensterben in
der Innenstadt. In den meisten Geschäften sind die Schaufenster blind
und einige Häuser stehen ganz leer und zum Verkauf. Da haben wohl
die Supermärkte und Discounter in den Gewerbegebieten den Ladeninhabern
in der Innenstadt den Hahn abgedreht. Wie sich die Stadtväter wohl
die Zukunft vorstellen, beziehungsweise was will man denn mit den leer
stehenden Stadthäusern unternehmen? Stimmt einen irgendwie bedenklich,
das Ganze. |
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So sieht es heute aus... | |||||
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...aber auch so... | |||||
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...und so | |||||
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Zwischen Steisslingen... | |||||
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...und Wahlwies | |||||
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Blick zum Bodensee | |||||
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Auf dem Radweg zwischen Stockach und Winterspüren | |||||
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Steiler Anstieg... | |||||
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...mit Aussicht | |||||
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