Kleiner Kalauer gefällig? Heute regnet es nur einmal, aber das dafür den ganzen Tag lang…ha…ha… Regenetappen bin ich wirklich schon oft gefahren und so wird auch die heutige keine allzu grosse Herausforderung darstellen. Immerhin hab ich Rückenwind, es wird mir den Regen also nicht ins Gesicht blasen. Das ist doch schon die halbe Miete! Zudem gelobt der Wetterbericht Besserung und bald soll es wieder warm werden. Ich bin nach wie vor im Ablachtal unterwegs, zuerst hübsch flott auf der Landstrasse von Messkirch nach Menningen und später auf asphaltierten Wirtschaftswegen bis Göggingen und weiter noch bis Krauchenwies. Hier kreuzen sich zwei Bundesstrassen und für den Radler gibt es keine vernünftige, verkehrsfreie Wegeführung. Im Gegensatz zu meinem letzten "Besuch" wird man nun an einem Baggersee entlang und durch einen Schlosspark geführt und stösst letztendlich doch wieder auf eine der Bundesstrassen. Immerhin finde ich einen Wegweiser nach Sigmaringen vor, der mich auf einen Radweg entlang einer dieser Verkehrsachsen leitet. Nach ein paar hundert Meter kann ich rechts abbiegen und wieder verkehrsberuhigt im Ablachtal weiter radeln. Nochmals Baggerseen, zum Erholungsgebiet umfunktioniert, schliesslich komme ich ungeschoren bis nach Mengen.

In Mengen tut sich was. Besser gesagt: Tun sie was. Die Innenstadt, die soll aufgehübscht werden. Das betrifft mich durchaus, denn man kann hier nicht einfach weiter radeln, es gilt das Rad durch die Baustelle zu balancieren, beziehungsweise entlang des Pfades, den man den Fussgängern zur Verfügung gestellt hat. Schon recht. Ich finde, die Stadt kann diese Aufwertung schon vertragen. Hoffentlich verbannen sie auch den Durchgangs-verkehr aus der Innenstadt.

Nun bin ich also an der Donau und tauche ein in die Riedlandschaft, die mir so gut gefällt. Linkerhand die Ausläufer der Schwäbischen Alb, rechts die grosse Weite. Prall ist alles. Und saftig. Grün in so vielen Farbvarianten und dazu das Gelb der Wiesenblumen und das Rot des Sauerampfers. Lerchen im Sing-, Balz- oder Steigflug. Und all die Düfte dazu. Da stellt der Regen gar kein so grosses Problem dar.

 

Und weiterhin hilft mir ein leichter Rückenwind. Es läuft ziemlich gut bis zum Ort Zell. Dort wartet die Eisenbahnbrücke mit der schmalen, vergitterten Fahrradspur auf mich, die ich so gar nicht mag. Den steilen Anstieg nach Datthausen, ein paar Minuten später, schaffe ich heute nicht. Ich muss absteigen und schieben. Und das bei den ultraleichten Berggängen meines Rades. Ich bin entsetzt.

Später braut sich über den bewaldeten Hügeln der Alb eine dunkle Wand zusammen und als sie mich erreicht, bringt sie neben starkem Regen auch einen Temperatursturz mit sich. Mir wird allmählich kalt und ich beginne zu frieren, so durchnässt wie ich inzwischen bin. Deswegen beende ich kurzerhand meine Etappe in Munderkingen und nehme mir dort ein Zimmer.

Aufgewärmt und trocken streife ich später durch die Stadt. Auf den ersten Blick sieht es hier besser aus als in Messkirch - fast alle Schaufenster sind dekoriert. Doch die Restaurantpächterin, mit der ich beim Abendessen ins Gespräch komme, zeichnet ein ganz anderes Bild. Vieles ist bloss Schein und Produkt einer verordneten Aktion zur Belebung der Innenstadt. Auch hier findet das eigentliche Business in den Gewerbegebieten statt. Neulich wurde dort auch noch ein Ärztehaus gebaut und es steht zu vermuten, dass die in Munderkingen ansässigen Ärzte dorthin ziehen und somit noch mehr Leben aus der Innenstadt abziehen. In einem Elektrogeschäft sehe ich Artikel von vorgestern im Tiefschlaf. Wer kauft heutzutage noch Staubsauger oder Musikabspielgeräte der vorletzten Generation im Einzelhandel, wenn er das Allerneueste billigst im Internet erwerben kann? Wie sollen all diese kleinen Dorfläden überleben können? Trotzdem mag ich Munderkingen. Strahlt irgendwie eine gewisse Würde aus, diese Stadt.

 

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    Regen im Donautal  
           
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