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| Abends ist dann immer
alles wieder gut. Sobald man im Hotel eingecheckt und seine Sieben Zwetschgen
höchst dekorativ im Zimmer verstreut hat, etwas Süffiges zum Trinken
in der Hand hält, ist alles vergeben und vergessen. Nicht dass sie
so schlecht gewesen wäre, die heutige Etappe, das keineswegs. Sie war
einfach anstrengend. Zum Wetter: Vom Westen nichts Neues könnte man
sagen. Der Regen brachte heute allerdings eine steife Brise mit sich, die
aus allen möglichen Richtungen über mich herfiel. Die Temperaturen
- eh klar - tief wie gehabt.
Eigentlich wollte ich heute nach Rothenburg ob der Tauber radeln, die Stadt wieder mal in Besitz nehmen und dort nach dem Rechten sehen. Doch da ich angesichts der immer noch ungemütlichen Witterung nicht abschätzen kann, ob ich überhaupt solange durchhalte und die Übernachtungssituation zwischen Crailsheim und Rothenburg, also in der zweiten Hälfte der Etappe, nicht gerade üppig ist, werfe ich meine zuhause sorgsam ausgetüftelte Reiseplanung kurzerhand über den Haufen. Dafür nehme ich ein Teilstück des "Radweges Deutscher Limes" in Angriff, der mich nach Nordosten in Richtung Altmühltal geleiten könnte. Ich verlasse Aalen auf dem Kocherradweg und wechsle bei Hüttingen ins Jagsttal. Beim Rainauer Stausee treffe ich auf die Beschilderung des Limes-Radweges und setze mich gleich auf dessen Fährte, verlasse das Jagsttal und segle durch eine wellige Landschaft an den Resten des Römischen Grenzwalles vorbei. Immer wieder gibt es Ausgrabungen oder Infotafeln zu besichtigen. Noch treibt mich der Sturm voran und ich freue mich über die Routenführung. Wirtschaftswege, mal asphaltiert, mal gut befahrbare Feldwege, kleine Landstrassen, alles ruhig, wie man sich es halt so vorstellt. Bei Mönchsroth treffe ich auf den Radweg "Romantische Strasse". Links geht's weiter nach Dinkelsbühl und in letzter Konsequenz nach Rothenburg und weiter bis Würzburg. Rechts liegt Nördlingen, gut 30 Km entfernt. Nördlingen. Das liegt im Nördlinger Ries und ist von einer fast kreisrunden alten Stadtmauer umgeben. Da kennt man ja von einschlägigen Luftaufnahmen. Dort war ich noch nie. Wie eine Wünschelrute zieht's mir den Lenker in diese Richtung und ehe ich mich's versehe, sitze ich schon breit auf der Romantischen Strasse, ein Grinsen im Gesicht. |
Dieses vergeht mir allerdings nach ein paar Minuten, weil ich mir hier eine bei dem Mistwetter nicht gerade angenehm zu fahrende Strecke aufhalse. Die nächsten 20 Km geht's im Zick-Zack-Kurs durch die Pampa. Schlechte Wege, entweder sehr grober Kies oder Morast oder durchgeweichter Sand, das alles auch noch mit Steigungen gespickt. Immer Anstiege und Abfahren auf Waldwegen, dann halbwegs eben durch Wiesentäler. Landschaftlich ist das bestimmt reizvoll, doch vor lauter Konzentration auf den Fahrbahnbelag hab ich heute dafür keinen Blick. Da sich Murphy's Law immer wieder mal bewahrheitet, fahre ich mir natürlich mitten im Dreck einen Platten und versuche das Malheur irgendwie zu beheben. Und irgendwann muss doch dieses verflixte (um nicht ein stärkeres Kraftwort zu gebrauchen) Nördlinger Ries endlich mal kommen! Soll ja flach sein wie eine Flunder. Schliesslich schaffe ich es doch, und mit glattem Asphalt unter dem Rad nähere ich mich dem Etappenziel. Wie schon in anderen Orten, durch die ich bisher gefahren bin (und noch fahren werde), ist auch in der Nördlinger Innenstadt die Strasse aufgerissen man muss sich halt irgendwie durchschlängeln. Ich hab das Gefühl, dass in ganz Süddeutschland grad die Fahrbahnen renoviert werden. Das erstbeste Hotel ist meins und dort wartet heute sogar eine Badewanne auf mich, welch unerwarteter Luxus. In ihr liegend lasse ich den Tag Revue passieren. Die pannenanfälligen Schwalbe Marathon Racer-Reifen, die immer noch zur Erstausstattung des Flux gehören, das Hermelin und die beiden Rehböcke, dich ich aus nächster Nähe beobachten konnte und das Formular auf dem Zimmertisch, das mich auch hier bittet, das Hotel und seinen Service zu bewerten. Das ist heutzutage zu einer Manie geworden. Hier und überall sonst auch. Im Internet natürlich sowieso. Immer soll alles bewertet oder ge-liked werden. Mit der Zeit bekommt man das auch über. Ich enthalte mich jedenfalls meiner Stimme. Nördlingen ist ziemlich hergerichtet und wartet, wie nicht anders zu erwarten, mit einem sehenswerten historischen Stadtbild auf. Schon in Ordnung, das mal gesehen zu haben. Rothenburg gefällt mir trotzdem besser. |
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Die Schwalben fliegen tief über dem Stausee bei Rainau | |||||
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Unterwegs auf dem "Radweg Deutscher Limes" | |||||
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Ausgrabung aus der Römerzeit bei Dalkingen | |||||
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Unterwegs auf dem "Radweg Deutscher Limes" | |||||
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Unterwegs auf dem "Radweg Deutscher Limes" | |||||
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Nördlingen I | |||||
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Nördlingen II | |||||
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Nördlingen III | |||||
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Nördlingen IV | |||||
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