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| So, jetzt aber! Heute wird ein lehrreicher Tag werden. Besonders für
uns Radwanderer mit nicht alltäglichen Fahrrädern. So sammelt der Mensch
Erfahrungen und wird in Zukunft hoffentlich daraus lernen. Doch der Reihe
nach. In der Nacht ist eine
Kaltfront durchgezogen. Weiter nördlich scheint es ziemliche Unwetter
gegeben zu haben, bei uns jedoch regnet es nur. Wir ziehen uns die
Regensachen über und rollen gemütlich über den Fluss und in die Wälder
resp. Felder und Wiesen. Die Strecke von Riedlingen bis etwa
Bechingen, einer der nächsten Ortschaften, gehört zu meinen
Lieblingsabschnitten hier an der Donau. Die Wolken ziehen tief, es regnet
leicht, und die Luft ist würzig und mild. Alles prima. Margrit meldet, dass ihr Hinterreifen sonderbare Geräusche von sich gibt. Eine genaue Untersuchung des Sachverhaltes ergibt eine unschöne Diagnose: Der Reifen hat an einer Stelle ein Beule ausgebildet. Gar nicht gut, sowas. Dummerweise habe ich zwar an Werk- und Flickzeug gedacht, auch diverse Ersatzschläuche sind an Bord. An einen Ersatzreifen hab ich allerdings keinen Gedanken verschwendet, wie ich zu meiner Schande gestehen muss. Höchst peinlicher Anfängerfehler. Was jetzt? Kann man hier irgendwo einen 18-Zoll Pneu auftreiben? Wir beschliessen, langsam zurück nach Riedlingen zu rollen und die Möglichkeiten dort zu eruieren. Gut einen Kilometer geht das gut, dann platzt der Reifen mit einem lauten Knall. Bleibt uns nichts anderes übrig, als die schon gefahrenen 7 Km bis Riedlingen zu Fuss zurück zu legen. Auf unserem Fussmarsch begegnen uns die Hotelbesitzerin von gestern, die uns ihr Bedauern ausdrückt, und die beiden Hamburger von gestern, die uns neben dem ausgedrückten Bedauern auch noch den Tipp für ein Radgeschäft in Riedlingen geben. Das Radgeschäft finden wir dann auch sofort, doch dann entsteht eine etwas eigenartige Situation, die ich staunend, völlig baff und wehrlos über mich ergehen lasse, weil ich einfach zu müde und ratlos bin, um verbal Kontra geben zu können. Der Dame des Hauses beziehungsweise der Chefin des Ladens läuft bei unserem Anblick anscheinend wohl irgendwas über die Leber. Zuerst behauptet sie steif und fest, dass sie für so eine komische Radgrösse keinen Reifen auf Lager hätte, höchstens einen für Kinderräder, der bei der Belastung keinen Kilometer halten würde. Und wie man nur so bescheuert sein könne, bei einer so ungewöhnlichen Laufradgrösse ohne Ersatzreifen auf Reisen zu gehen. |
Dann kommt ihr (?) Mann dazu, der beim Anblick der
Birdys ein "ah, Riese & Müller, eine Nobelmarke" von sich gibt. Das
quittiert die Dame des Hauses, ohne die Hintergründe zu kennen, mit einer Bemerkung à la
"Geld haben aber kein Hirn" in unsere Richtung. Was tut man da?
Eigentlich verbittet man sich einem Kunden gegenüber so einen Ton. Aber irgendwie bin ich einfach nur
verblüfft. Das Blatt wendet sich schliesslich, als der Mann mit einem
18-Zoll Reifen mit Mountainbikeprofil auftaucht und ihn montiert. Ein
hilfsbereiter Mechaniker also, doch eine ignorante und despektierliche
Chefin. Die sehen uns wohl nicht wieder.
Erleichtert und verärgert zugleich ziehen wir sodann wieder unseres
Weges und rollen erneut aus Riedenburg hinaus. Nochmals treffen wir unsere Hamburger und erzählen ihnen die ganze Chose. Sie haben gerade eine ganz andere Erfahrung mit dieser Frau gemacht, ihnen gegenüber war sie nett und hilfsbereit. Tja, manchmal empfindet man vielleicht spontan eine Abneigung gegen gewisse Personen, und diesmal hat es eben uns erwischt. Jedenfalls sind wir wieder auf Kurs. Und langsam legt sich auch die Aufregung. So ein Fauxpas wird mir übrigens wohl nicht mehr passieren. In Zukunft werden wir einen Ersatzreifen mitschleppen. Irgendwie hat uns diese Episode Energie gekostet, und der folgende Streckenabschnitt, der bei Datthausen, Obermarchtal und Munderkingen noch den ein oder anderen Höhenmeter für uns bereit hält, zieht uns dann den letzten Saft aus der Batterie. Eigentlich wollten wir heute von Ehingen aus weiter nach Blaubeuren ins Blautal radeln, doch in Ehingen reicht es uns. Wir nehmen uns ein Hotelzimmer und lassen es gut sein. Später decken wir uns mit Lebensmitteln ein und verpflegen uns auf diese Art und Weise im Hotelzimmer. Lust auf Stadtbesichtigungen und Spaziergänge hat heute keiner von uns beiden. |
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| Heute braucht's von Anfang an die Regensachen... | ||||
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| ...denn von oben werden wir mit kühlem Nass beglückt. | ||||
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| Hier ist schon alles vorbei: Die Aufregung und der Regen. | ||||
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| ...und von unserem Hotelzimmer aus auf Ehingen. | ||||
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