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Dienstag, 5.9.06. Rundfahrt "Bayrisch-Böhmischer Freundschaftsweg" und Aschatal-Radweg (69 Km) Heute ist wieder ideales Radlwetter! Er ist also nochmals zurück gekommen, der Sommer, der launische! Auf der schon beschriebenen stillgelegten Bahnstrecke gleite ich am Morgen ostwärts aus dem Ort. Ganz ungewohnt leicht ist mir zu Mute - kein Wunder, ich radle ja ohne Gepäck! Und ebenso leicht bergan geht es bis Lind, von wo aus man bald einen Blick auf die bewaldeten Hügel des Frauensteins und des Altenschneeberges hat. Ich radle am Ort Schneeberg vorbei, tauche langsam ein in die Wald- und Wiesenlandschaft des Schönseer Landes. Gaisthal. Von hier bis Schönsee radelt man immer leicht bergan, aber eben - wie bei Bahnlinien üblich - mit moderater Steigung. Kurz vor Schönsee bleibt der Wald zurück und ein ebenes Heideland tut sich auf. Hier möchte ich mir den "Doppelten Nepomuk" anschauen, zwei in Granit gemeisselte Heiligenfiguren, von denen die eine nach Osten, also nach Tschechien blickt, und die andere nach Westen. Und dann radle ich wieder zurück nach Gaisthal, wobei ich diesmal die Landstrasse benutze, die zwar mit etwas Verkehr aufwartet, dafür jedoch schön kurvenreich und abschüssig ist. Leider stelle ich nach kurzen Zeit fest, dass ich das Rad hier nicht laufen lassen kann, sondern vorsichtig sein muss, da der Strassenbelag ein richtiger Fleckerlteppich ist. Und was passiert, wenn das Vorderrad in eine Längsrille rutscht, hab ich auf der Schwabenlandtour vor ein paar Wochen erfahren, wo ich beinahe gestürzt wäre. Also gemach, gemach! Macht aber trotzdem Spass, diese Strasse entlang zu düsen! Von Gaisthal an kann ich nun dem Aschatal-Radweg folgen, und zwar erstmal auf einer kleinen Landstrasse bis Schneeberg (wo ich vorher schon war, allerdings auf anderer Wegführung) und von dort nach Winklarn - mit den Teichen bei Hundshagermühle zu meiner rechten und einem wundervollen Ausblick über die Hügellandschaft nach Südosten. Leider hat meine Digitalkamera Schwierigkeiten mit Gegenlichtsituationen, so kann ich das Bild, dass sich mir da auftut, nur ansatzweise wiedergeben. Winklarn scheint noch das gleiche verschlafene Nest wie früher zu sein, aber es wurde viel saniert und der Marktplatz glänzt in der Vormittagssonne. Es ist schon eigenartig, wie alles ein anderes Gesicht bekommt, wenn man als Tourist unterwegs ist und nicht hier wohnt. Ich kreuze die B22 und komme bald darauf nach Kulz. Hier gibt es den "Krämerhof", ein Gaststättenbetrieb mit Tanzsaal, mit dem mich ebenfalls allerhand Jugenderinnerungen verbinden: einer meiner Onkel war Tanzmusiker und hat in regelmässigem Turnus mit seiner Band auch hier in Kulz gespielt. Als 15-jähriger Knirps durfte ich dann ab und zu mal meine Tante begleiten, wenn sie ihrem Mann mit ihrem kleinen Fiat 500 hinterher reiste. Die Combo spielte zwar hauptsächlich Schlager und sonstwie leicht Verdauliches, hatte jedoch auch eine "Mitternachtsshow" im Programm, wo sie sich an Rocksongs versuchte... "Satisfaction", "Cocaine", "Lay down Sally" UND: "Jingo" von Santana! Dieses Stück war die Initialzündung für mich, der magische Moment, an dem mir das erste Mal die Idee kam, selbst Gitarre zu lernen und Musiker zu werden. Dieses schrille, orgasmische Gitarrensolo über dem brodelndem Percussion- und Orgelteppich! Das hat mich damals wirklich vom Hocker gerissen! Tja der Wirt hat so was gar nicht gerne gehört, in der Rockmusik schwang halt viel Animalisches mit und das passte natürlich damals überhaupt nicht in das erzkatholische Umfeld. Glory days? Glory days! Heute ist natürlich alles entzaubert. Ich gönne mir einen kurzen Blick durch die Fenster wie winzig das alles ist! Na, da fahr' ich mal lieber weiter...und das heisst wieder ein bisschen klettern und schön an der Hangkante entlang, wieder mit weitem Blick auf die Hügellandschaft. Dann eine kilometerlange Abfahrt hinunter nach Mitteraschau. Nochmals über einen Hügel bis nach Kröblitz und schon bin ich in Neunburg vorm Wald. Da mein Magen seit einiger Zeit beschäftigungslos vor sich hin knurrt, packe ich die Gelegenheit beim Schopfe und Messer und Gabel mit den Händen und einverleibe mir eine Lasagne al forno. Später, bei Schwarzhofen (wo vorgestern der Unfall passiert ist), biege ich nach rechts ab und mühe mich den langen und teilweise recht steilen Anstieg nach Denglarn und weiter auf eine Hügelkuppe hinauf, wohl wissend, dass mir von dort oben eine Aussicht vergönnt sein wird, die ich heute, bei diesem Wetter, einfach nicht missen möchte. Später, vor Niesass, gilt es, nochmals ein paar Höhenmeter zu sammeln, bevor sich der Talkessel auftut, in dem Oberviechtach liegt. Doch noch möchte ich nicht nach Hause, ich will einen Abstecher zu meinem damaligen Modellfluggelände unternehmen und biege aus diesem Grunde bei Eigelsberg links ab und lasse mich ein kleines Strässchen hinunter, auf Obermurach zu, rollen. Dort, auf der Westseite des Burgberges, der bei starkem Westwind, wie es heute der Fall ist, für prima Hangaufwind sorgte, habe ich oft meine Modellsegler im Aufwind balanciert und dabei gleichzeitig den Blick nach Westen über die Hügel schweifen lassen und mir vorgestellt, wie es wohl wäre, von hier bis ans Meer zu reisen Nun, das hab ich inzwischen schon ein paar Mal bewerkstelligt, sowohl mit dem Auto, als auch mit dem Rad, aber leider überlebt die Sehnsucht die Realität nicht. Jedesmal, wenn ich wirklich am Atlantik, vorzugsweise in der Bretagne, angekommen bin, fand ich es zwar sehr schön, aber es war nie die Erfüllung dieser Sehnsucht - und dafür gibt's wahrscheinlich auch keine Erfüllung, und die Sehnsucht nach der Ferne ist wohl nur ein Bereich, an dem sich die im Menschen wohnende allgemeine Sehnsucht festmacht...oder so...oder wie auch immer... Von hier bis nach Oberviechtach ist es nur mehr ein Katzensprung. Was für eine schöne Tagestour! Ich mag diese Jahreszeit sehr gerne - wenn der Sommer langsam in den Herbst kippt - und gerade wenn einem noch dazu so ideales Wetter wie heute vergönnt ist, da geht mir dann schon auch das Herz auf! Und morgen werde ich dieser Gegend hier den Rücken kehren und nach Regensburg zu meiner Schwester radeln. Ich hab mich nun dazu entschlossen, am Donnerstag mit dem Zug nach Zürich zurück zu reisen und dem ganzen Brimborium mit dem Papst aus dem Weg zu gehen. Einerseits nervt mich der Zinnober, den sie darum machen und ich hab keine Lust auf das zu erwartende Verkehrschaos in Regensburg, Freising und München. Zum anderen ist die Reise irgendwie auch emotionell zu Ende. Ich hab für mich etwas Wichtiges erledigt und jetzt ist Zeit, mich um meine Belange zuhause in Zürich zu kümmern. Aber morgen...morgen, meine Damen und Herren, da lass' ich's nochmal so richtig krachen! |
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