| Fertig
gepackt, geschniegelt und gestriegelt sind wir beide natürlich
wieder mal viel zu früh zur Abfahrt bereit. Da kann man sich
doch noch den Spass erlauben und das mitgeführte Gepäck
wiegen, nur mal so aus Neugierde. Margrits Taschen bringen 13 Kg
auf die Waage, meine 16 Kg. Eigentlich gar nicht mal soviel, wenn
man bedenkt, dass ich noch gewisse Luxusgüter wie unser Fernglas,
Bücher und Landkarten im Überfluss mit mir herum schleppe.
Auf dem Weg zum Hauptbahnhof regnet es erstmal. Ist das nun ein
gutes oder ein schlechtes Omen für die Reise? Wir werten die
Tatsache, dass es während der Zugfahrt bis Lindau schliesslich
aufklart und die Sonne durch die Wolken kommt, als gutes Zeichen
für unser Unternehmen. Mit der Sonne wird es sofort schwülwarm
oder -heiss und so ist man auf den ersten Kilometern gleich durchgeschwitzt.
Diese ersten Kilometer verlaufen noch ganz sacht auf dem Bodenseeradweg
nach Kressbronn, wo heute Unmengen von Radfahrern unterwegs sind,
man glaubt es kaum. Bei Kressbronn beginnt der Donau-Bodensee-Radweg,
dessen Ostroute wir nun folgen. Die Landschaft steigt ab jetzt generell
an und die Gletscher der Eiszeit haben hier im Allgäu allerliebste
Hügelchen heraus geformt, wir finden kaum mehr einen flachen
Meter. Da kann man entweder die Eiszeit verfluchen oder alternativ
zwei Zeilen eines Gedichtes von Frank Schulz aus dem Bändchen
"Naturlyrik, Anfängerkurs" deklamieren:
Ja, so ist
die Scheiss Natur!
Von Sozialismus keine Spur.
Radfahrer
sehen wir hier jedenfalls keine mehr. Dafür die natürlich
sehenswerte Oberschwäbische Landschaft mit ihren saftig grünen
Wiesen, dunklen Wäldern und kleinen Seen - zum Beispiel dem
Degersee, an dessen Ufer wir kurz entlang radeln. Einmal kommen
wir an einem Weiler vorbei, der "Busenhaus" heisst.
Da darf man ganz offiziell schmunzeln. So in etwa bei Niederwangen
finden wir schliesslich einen Radweg entlang des Flüsschens
Argen, der uns ebenerdig bis in die Innenstadt von Wangen geleitet.
Hier haben wir, trotz der Eurobike in Friedrichshafen (siehe
meine Fahrt von 2007), relativ kurzfristig noch ein Zimmer
ergattert, zudem ein sehr schönes mit Dachterrasse und einen
Blick auf die Dachlandschaft von Wangen.
Wangen (wie
auch Memmingen, unser morgiges Tagesziel) liegt auf der Bahnstrecke
München-Zürich. Gefühlte tausendmal sind wir hier
schon durchgefahren, besichtigt haben wir die beiden Städte
noch nie. Genau das wird nun endlich nachgeholt. Wangen gefällt
uns sehr gut: Vom Stadtbild mit den historischen Bürgerhäusern
über die lebendige Fussgängerzone bis hin zu den Fresken
an der Decke der Pfarrkirche, die entfernt an Gauguin oder Monet
erinnern - eine interessante Stadt.
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