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Freitag, 2. September 2011
Von Lindau am Bodensee nach Wangen (44 Km)
Fertig gepackt, geschniegelt und gestriegelt sind wir beide natürlich wieder mal viel zu früh zur Abfahrt bereit. Da kann man sich doch noch den Spass erlauben und das mitgeführte Gepäck wiegen, nur mal so aus Neugierde. Margrits Taschen bringen 13 Kg auf die Waage, meine 16 Kg. Eigentlich gar nicht mal soviel, wenn man bedenkt, dass ich noch gewisse Luxusgüter wie unser Fernglas, Bücher und Landkarten im Überfluss mit mir herum schleppe. Auf dem Weg zum Hauptbahnhof regnet es erstmal. Ist das nun ein gutes oder ein schlechtes Omen für die Reise? Wir werten die Tatsache, dass es während der Zugfahrt bis Lindau schliesslich aufklart und die Sonne durch die Wolken kommt, als gutes Zeichen für unser Unternehmen. Mit der Sonne wird es sofort schwülwarm oder -heiss und so ist man auf den ersten Kilometern gleich durchgeschwitzt. Diese ersten Kilometer verlaufen noch ganz sacht auf dem Bodenseeradweg nach Kressbronn, wo heute Unmengen von Radfahrern unterwegs sind, man glaubt es kaum. Bei Kressbronn beginnt der Donau-Bodensee-Radweg, dessen Ostroute wir nun folgen. Die Landschaft steigt ab jetzt generell an und die Gletscher der Eiszeit haben hier im Allgäu allerliebste Hügelchen heraus geformt, wir finden kaum mehr einen flachen Meter. Da kann man entweder die Eiszeit verfluchen oder alternativ zwei Zeilen eines Gedichtes von Frank Schulz aus dem Bändchen "Naturlyrik, Anfängerkurs" deklamieren:

Ja, so ist die Scheiss Natur!
Von Sozialismus keine Spur.

Radfahrer sehen wir hier jedenfalls keine mehr. Dafür die natürlich sehenswerte Oberschwäbische Landschaft mit ihren saftig grünen Wiesen, dunklen Wäldern und kleinen Seen - zum Beispiel dem Degersee, an dessen Ufer wir kurz entlang radeln. Einmal kommen wir an einem Weiler vorbei, der "Busenhaus" heisst. Da darf man ganz offiziell schmunzeln. So in etwa bei Niederwangen finden wir schliesslich einen Radweg entlang des Flüsschens Argen, der uns ebenerdig bis in die Innenstadt von Wangen geleitet. Hier haben wir, trotz der Eurobike in Friedrichshafen (siehe meine Fahrt von 2007), relativ kurzfristig noch ein Zimmer ergattert, zudem ein sehr schönes mit Dachterrasse und einen Blick auf die Dachlandschaft von Wangen.

Wangen (wie auch Memmingen, unser morgiges Tagesziel) liegt auf der Bahnstrecke München-Zürich. Gefühlte tausendmal sind wir hier schon durchgefahren, besichtigt haben wir die beiden Städte noch nie. Genau das wird nun endlich nachgeholt. Wangen gefällt uns sehr gut: Vom Stadtbild mit den historischen Bürgerhäusern über die lebendige Fussgängerzone bis hin zu den Fresken an der Decke der Pfarrkirche, die entfernt an Gauguin oder Monet erinnern - eine interessante Stadt.


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