Viele Menschen möchten in ihrem Leben möglichst viele Städte und Länder bereisen, am liebsten alles einmal "mitgenommen" haben. Das ist absolut verständlich und nachvollziehbar, bei uns jedoch anders gelagert: Uns ziehen Orte, die uns gefallen, immer wieder magisch an und es treibt uns dorthin zurück, wie den sprichwörtlichen Täter zum Tatort. In diesem Sinne haben wir erneut Chartres als unverzichtbaren Programmpunkt mit in diese Reise eingebaut. Wir sind neugierig, wie weit die Renovierung der Kathedrale inzwischen fortgeschritten ist, man liest ja im Internet Widersprüchliches darüber.

Nach dem Frühstück versetzen wir unsere Räder in fahrbaren Zustand, radeln zum Gare Montparnasse und nehmen den Zug bis nach Maintenon, einem kleinen Städtchen, im Tal des Flüsschens Eure gelegen. Hier hoffe ich auf ein paar stimmungsvolle Fotos, denn ein halb verfallener und von Efeu oder wildem Wein überwucherter Viadukt überspannt noch teilweise das Flusstal. Im Internet findet man eine Menge stimmungsvoller Aufnahmen von Fotografen, die sich an dem fotogenen Objekt versucht haben. Für die richtige Perspektive müsste man sich allerdings vom Schlosspark her kommend herantasten, in welchen man jedoch nur im Zuge einer Schlossbesichtigung gelangen kann. Leider sind die Öffnungszeiten und unser Vorwärtsdrang nicht kompatibel. Jetzt einfach noch eine Stunde herumtrödeln wollen wir nicht und so machen wir uns eben unverrichteter Dinge auf den Weg nach Chartres, mit nur wenigen "Beweisfotos" zur Dokumentation auf der Speicherkarte. Im Nachhinein ein unverzeihliches Versäumnis. Doch es ist schwierig, am Anfang einer Radreise die eigene Ungeduld zu zügeln und den Ruf der Strasse zu ignorieren - eine Falle, in die wir immer wieder tappen. Dabei haben wir heute eh nur eine kurze Etappe vor uns.

In Frankreich beginnt man seit einiger Zeit mit dem Bau beziehungsweise der Beschilderung von (Fern-)Radrouten. Es entstehen sogenannte "Voies vertes", also "grüne Wege", die ein Radfahren abseits der vielbefahrenen Autostrassen ermöglichen sollen, genau so wie man es eben von den deutschsprachigen Ländern her schon lange kennt. Es soll nun auch eine Route von Paris zum Mont St. Michel entstehen. Dabei ist die Streckenführung teilweise schon fertig, was wir natürlich testen möchten. Zum Beispiel auf dem heutigen Abschnitt im Tal der Eure, wo man zuerst auf eine ruhige Landstrasse geschickt wird und später, kurz vor Chartres, auf einen extra angelegten Radweg wechselt.

 

Und auf einmal sind wir im "richtigen" Frankreich angekommen: Platanen, Pappeln, Eichen, Hutweiden, die typisch französische Bocagelandschaft soweit das Auge reicht, dazu bullige weisse Charolais-Rinder und zahlreiche Pferde auf den Weiden.

Die kurze Tour ist gerade richtig zum Eingewöhnen. Mittags sind wir schon in Chartres und essen in einem der Restaurants neben der Kathedrale zu Mittag. Auch hier geben sich Touristen die Klinke in die Hand, natürlich, doch es ist weitaus ruhiger als gestern in Paris. Die Renovierung der Kathedrale ist tatsächlich schon fortgeschritten und die bereits restaurierten Bereiche wirken sehr hell, was dem Bauwerk nach Abschluss der Arbeiten wohl ein anderes Gesicht geben wird. Das mystisch-düstere Flair, durch das die farbigen Fenster so gut wirken, wird sich relativieren. Wie gesagt, im Internet kann man nachlesen, dass es verschiedene Meinungen dazu gibt. Wir enthalten uns - wir mögen beides.

Chartres hat übrigens nicht nur die Kathedrale - in der nachmittags eine Hochzeit stattfindet - und die historische "Oberstadt" als Sehenswürdigkeit zu bieten, auch unten am Fluss gibt es ein paar interessante Orte, die alten Gerberviertel zum Beispiel. Und auf einem Platz vor unserem Hotel hat man einen "vernünftigen" Springbrunnen errichtet: Wasserspiele, die die Kleinen zum Plantschen und Toben animieren, was heute angesichts der Temperaturen gerne genutzt wird. Sowas haben wir im Frühjahr schon in Colmar gesehen. Vielleicht war's derselbe Springbrunnenkünstler.

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    Der ehemalige Viadukt in Maintenon...  
       
    ...lässt sich leider nicht so "gewinnbringend" fotografieren wie ich mir das vorgestellt hatte  
       
    Chartres hat neben der Kathedrale auch noch andere sehenswerte Orte zu bieten  
       
    Die alten Gerberviertel unten am Fluss zum Beispiel  
       
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    Trotzdem: die Kathedrale ist der Mittelpunkt der Stadt  
   
  Endlich mal ein Springbrunnen der auch Spass machen darf
     
       
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