Das ist weder Geronimo, noch ist es Sitting Bull. Die beiden kennt man doch. Der Indianer auf dem Schwarzweiss-Foto an der Wand mag vielleicht Crazy Horse sein. Möglicherweise auch Cochise. Oder einfach ein unbekannter amerikanischer Ureinwohner, wahrscheinlich in einem Reservat fotografiert. Abgesehen von jenem daguerreotypierten Herrn an der gegenüberliegenden Wand sind wir nachmittags so ziemlich alleine im Buffalo Grill im Gewerbegebiet von Nogent-le-Rotrou. Klar, die Bedienung ist noch da und ein Koch wuselt herum. Die beiden betrachten uns genauso ratlos-amüsiert wie wir es mit dem auf Klischee-Amerika getrimmten Schnell-Steak-Restaurant tun. Vier Uhr! Da isst doch kein anständiger Franzose! Doch was soll's, man muss Gelegenheiten zur Nahrungsaufnahme beim Schopf ergreifen. Der Buffalo Grill bietet warme Küche rund um die Uhr und wir sind müde und ausgehungert und zudem in einem Hotel ausserhalb der Stadt untergebracht. Keiner von uns beiden verfügt noch über die notwendige Energie, um sich nochmals in den Sattel zu schwingen und zurück in die Stadt zu reiten bzw. zu fahren. Also begnügen wir uns heute mit einem etwas lieblos zubereiteten Stück Rindfleisch samt Pommes und Salatgarnitur und verbringen den Rest des Tages lesender Weise im immerhin grünen und ruhigen Garten des Hotels. Wir haben schon schlechter gegessen. Besser allerdings auch.

Die heutige Etappe war recht anstrengend. Die Tachoanzeige ist infolge heftigen Gegenwindes selten über die 12 Stundenkilometermarke geklettert, ein paar hundert Meter mal mit 15 oder 16 Km/h unterwegs zu sein kam schon fast einer Sensation gleich. Trotzdem ist es auch eine schöne Etappe: Wir folgen den ganzen Tag über einem der schon erwähnten "Voies vertes" und werden dabei zuerst auf Radwegen und später auf kleinen Landstrassen bis nach Nogent-le-Rotrou geleitet. Zuerst geht das über genau jene flache und weite Hochebene mit den riesigen, abgeernteten Getreidefeldern, die wir von der Reise 2009 her schon kennen.

 

Hier macht uns der Gegenwind natürlich schwer zu schaffen, weil es kaum Windbrecher in Form von Bäumen oder Buschwerk gibt. Trotzdem geht uns natürlich nach der Enge in den Städten das Herz auf, vor allen Dingen wenn der Blick so weit schweifen darf.

Später dann, ab Illiers-Combray wird die Landschaft welliger und das ein oder andere Wäldchen säumt unseren Weg. Die Fahrt wird vielfältiger und spannender. Visuelles Highlight später in Frazé das Schlösschen mit den ausgedehnten Weiden drum herum, Balsam für die Seele, sozusagen. Wenn man im ländlichen Frankreich die Autos ausblendet, wähnt man sich manchmal im 19. oder 18. Jahrhundert.

Hügelig geht es weiter bis nach Nogent-le-Rotrou, wo am heutigen Sonntag ein Jahrmarkt abgehalten wird, mit dementsprechend grossem Trubel, man kennt das ja. Kinderkarussells sind aufgebaut, Losbuden verheissen jedem Glück, es herrscht ein stetiges Kommen und Gehen, viel Autoverkehr auf dem Weg ins Stadtzentrum. Bei all dem Tohuwabohu fragen wir eine Polizeistreife nach dem Weg zu unserem Hotel und bekommen sogleich detaillierte Auskunft. Allerdings fahren uns die Ordnungshüter ein paar Minuten später hinterher, halten uns an und entschuldigen sich vielmals, weil sie uns irrtümlich den Weg falsch gewiesen hatten und stellen das richtig. Auch nett.

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    Der "Grüne Weg" ausserhalb von Chartres  
       
    Weites Land I  
       
    Weites Land II  
       
    Hinterm Horizont geht's weiter... Wirklich?  
       
    Dieses unscheinbare Anwesen steht in Frazé...  
       
    ...und hat auch eine Seitenansicht...  
       
    ...und dazugehörige Ländereien  
       
    Allmählich...  
       
    ...wird das Land welliger...  
   
  ...und abwechslungsreicher
     
       
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