Im selben Tenor geht es heute weiter. Damit meine ich nicht die musikalische Beschallung, sondern die Gegend, durch die wir radeln. Auf und ab durch ein dünn besiedeltes, aber doch irgendwie zersiedeltes Bauernland: Wir kommen an einer Unmenge kleiner Weiler oder freistehender Gehöfte vorbei, die in keiner Karte verzeichnet sind. Von Bagnoles-de-l'Orne bis zur nächsten Stadt, die heisst Domfront, fahren wir am Rande eines kleinen Hügelzuges, des Forêt des Andaines, entlang. Auf der Michelin-Landkarte wird unsere weiss eingezeichnete Strasse mit einem parallel dazu verlaufenden grünen Balken gedoppelt, was laut Kartenlegende "Parcours pittoresque" bedeuten soll. Und wirklich kann der Blick hier weit nach Süden schweifen, in ein weites Tal, der Horizont von sanften Hügeln begrenzt.

Domfront liegt dagegen auf einem Felssporn und den Anstieg dort hinauf haben wir auf einer viel befahrenen Strasse zu bewältigen, die uns nach erfolgter Kletterpartie durch die Stadt selber und nach dem Ortskern wieder steil bergab führt. Da der Wind inzwischen sehr aufgefrischt hat, wird das mit dem drängenden Verkehr plötzlich zum Balanceakt. Da bleibt dann vom eigentlich recht ansehnlichen Stadtbild Domfronts nicht mehr viel im Gedächtnis haften. Am Ende der rauschenden Abfahrt biegen wir in eine etwas kleinere Strasse, in die D 907, ein. Sie soll uns bis zum nächst grösseren Ort begleiten. Dieser Ort heisst Barenton. Zuerst läuft es ein paar Kilometer lang so richtig flott, eigentlich das erste Mal seit langem. Dann macht die Strasse einen Knick nach Westen, wird dabei kerzengerade und wellig wie die Atlantikdünung und durch diese Richtungsänderung bläst uns der Wind nun dermassen heftig entgegen, dass so manche Bö uns fast zum Stillstand bringt.

 

Gegenwind, der raue französische Asphalt und diese sanften, aber doch lang gezogenen Steigungen kosten recht viel Energie.
In Barenton muss deswegen pausiert werden, das liegt auf der Hand. Vor einer Bar sitzend kommen wir mit einer Familie aus England ins Gespräch, die hier seit längerem wohnt. Die schwärmen uns von der Gegend vor, von den freundlichen Leuten und dass sie sich hier sehr wohl fühlen. Den vielen rechts gelenkten Autos nach zu schliessen, die wir bisher gesehen haben, scheinen sie nicht die einzigen zu sein, die den Sprung von der Insel auf den Kontinent gewagt haben. Irgendwie durchaus verständlich: wenn man die heutigen widrigen bzw. windigen Umstände mal wegsubtrahiert, so bleibt unterm Strich ein angenehmes Fleckchen Erde übrig.

Auch wir wollen es wieder etwas angenehmer haben und tauchen nun in die Welt der kleinen und sich kurvenreich windenden Strassen ein, die im Prinzip parallel zum Flüsschen Selune nach Westen führen. Hier macht das Radfahren trotz Wind und Höhenmetern gleich viel mehr Spass. Das Wetter ist heute übrigens veränderlich und eigentlich recht kühl, zum Velofahren also geradezu ideal.

Irgendwann erreichen wir unseren Etappenort St. Hilaire-du-Harcouet, wo heute relativ tote Hose herrscht, denn hier begeht man einen katholischen Feiertag: Maria Himmelfahrt. Sehr positiv zu erwähnen ist unsere Unterkunft im Hotel Le Cygne. Ein ruhiger Gartensitzplatz, zuvorkommendes Personal, frei laufende Kaninchen und vor allen Dingen ein wirklich schmackhaftes Abendmahl warten heute auf uns. Es muss tagsüber wirklich stark geblasen haben, denn im Ziergarten des Hotels hat es Kleinholz gegeben.

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    "Parcours pittoresque"  
       
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    Strassen in Frankreich I  
       
    Strassen in Frankreich II  
       
  Strassen in Frankreich III
   
  Strassen in Frankreich IV
   
  Die Kirche in St. Hilaire-du-Harcouet
   
  lila I
   
  lila II
     
         
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