Heute werden wir das Meer sehen! Ist das nicht extrem motivierend? Obwohl wir diesen Motivationsschub gar nicht nötig haben: Die Sonne scheint vom blanken Himmel, die Temperaturen liegen im angenehmen Bereich und der Wind lässt uns (noch) in Ruhe.

Anfangs weist noch gar nichts auf das Meer hin. Wir fühlen uns eher ins Voralpenland versetzt, mit all den von schwarz-weissen Kühen gesprenkelten saftig grünen Wiesen. Sehnsüchtig warten wir auf diesen Aha-Moment, wenn der Kegel des Mont St. Michel zum ersten Mal am Horizont erscheint. Ich mag mich noch an das allererste Mal erinnern, als ich mit einem Studienfreund hier unterwegs war und spätnachmittags der Klosterberg wie eine Fata Morgana im Gegenlicht auftauchte. Das war damals, 25 Jahre mag es wohl schon her sein, für mich ein grosses Ding. Ganz so geheimnisvoll ist es heute nicht natürlich nicht mehr. Und als wir wieder mal einen kleine Anhöhe erklimmen, liegt er auf einmal vor uns, von der prallen Vormittagssonne beschienen.

Wir sind also angekommen. Jetzt müssen wir noch unsere Unterkunft finden, die dort unten irgendwo am Rande des Marschlandes liegt. Weit kann es nicht mehr sein. Doch bevor wir unser Ziel erreichen, wartet noch der Hammer des Tages auf uns, in Gestalt der vierspurigen Nationalstrasse, die es zu überqueren gilt.

 

Man geht ja immer von einer Brücke oder einer Unterführung aus, wenn auf der Landkarte eine kleine Strasse im rechten Winkel auf eine Autobahn oder mehrspurige Fernstrasse trifft. Doch dass diese kleine Strasse dann tatsächlich mit nur einem Stopschild versehen in die grosse mündet, schockiert uns schon. Mit einem bepackten Fahrrad eine Autobahn queren? Uns rutscht das Herz ganz schön in die Hose und wir sind froh, als wir dieses letzte Hindernis auf dem Weg zu unserem Tagesziel heil überstehen. Für all diejenigen, die das Abenteuer nachspielen oder es - Bitte! - vermeiden wollen: es handelt sich um die kleine D 107, die zwischen den Orten Crollon und Servon die N 175 kreuzt.

Wie so oft wartet aber auch diesmal eine Belohnung auf uns, nämlich unsere Unterkunft im Manoir de la Roche Torin, direkt am Rand der Salzwiesen. Um dem noch die Krone aufzusetzen, bekommen wir ein Zimmer mit Blick auf den Mont St. Michel. Das gefällt uns so gut, dass wir unseren Aufenthalt spontan um zwei Tage verlängern - und später dann nochmals. Wir werden also bis nächsten Donnerstag hier bleiben und die Gegend ausführlich erkunden.

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    Strassen in Frankreich V  
       
    Irgendwo da vorne muss es doch sein, das Meer  
       
    ...  
       
    und flacher wird's auch nicht  
       
    Da ist er endlich...  
       
  ...der erste Blick auf den Mont St. Michel
   
  Die Aussicht von unserem Zimmer im Manoir de la Roche Torin
   
  ...
   
  das Manoir de la Roche Torin
   
  Die "fünf Geschwister"
         
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