Wo sind sie geblieben, die Ferientage? Wo die Zeit? Alles geht so schnell. Am Dienstag mussten wir unser "Zimmer mit Aussicht" räumen, doch gefiel es uns im Manoir de la Roche Torin so gut, dass wir kurzerhand noch für zwei weitere Nächte in ein anderes, frei gewordenes Zimmer gewechselt sind. Der fehlende Ausblick liess sich auch anderweitig kompensieren. Wir haben uns noch zwei Ruhetage gegönnt, verbrachten Stunden am Meer und haben den Vögeln - viele Silberreiher, diverse Möwenarten und Kormorane - zugesehen, oft auch nur die Zeit verstreichen lassen. An einem Tag sind wir nochmals gen Avranches geradelt, haben diesmal allerdings nicht die Stadt besichtigt, sondern die Flussmündung der Selune weiter erkundet. Und abends natürlich die Sonnenuntergänge genossen.

Vielleicht sollte man auch noch ein Beispiel französischer Gastfreundschaft erzählen: Margrit wollte gerne nochmals abends auf den Mont St. Michel, um eine Darbietung in der Abtei zu besuchen. Allerdings ohne Fahrrad, sondern möglichst mit Hilfe eines Taxis. Nachdem der Taxiunternehmer jedoch nicht bereit war, sie abends um 23 Uhr wieder abzuholen und zurück ins Hotel zu bringen, schien das Projekt gestorben zu sein. Das rief aber dann unsere Gastgeber auf den Plan. Zuerst wollten Sie uns ihr Privatauto leihen. Da aber keiner von uns beiden Auto fährt, ist Margrit schliesslich von Hotelier persönlich nach der Aufführung abgeholt worden. Völlig unentgeltlich, versteht sich.

Doch leider ist das Schnee von gestern. Heute nehmen wir Abschied von diesem kleinen Idyll hier und peilen auf unserer letzten Tagesetappe St. Malo an, denn wir wollen noch ein bisschen was vom "richtigen" Meer mitbekommen, nicht "nur" Watt- und Polderlandschaft sehen, sondern einen Strand, um die Füsse wenigstens einmal noch so richtig mit Meerwasser zu taufen.

 

Als wir durch das Hinterland des Mont St. Michels nach Westen radeln, werden Erinnerungen an das Donauried wach. Vielleicht sieht man auf den Fotos, was ich meine. Wir kommen am Mont Dol vorbei und stossen bei St. Benoit-des-Ondes ans Meer, das grünblau in der Mittagssonne glitzert. Hier ist der Autoverkehr ziemlich dicht. Sehr viele Touristen sind unterwegs, auch auf dieser relativ kleinen Strasse. So biegen wir bald in die noch kleinere D 2 ein, die uns nach St. Malo führen soll. Leider ist diese Strasse jedoch sehr befahren, und zwar von Last- und Lieferwägen, sodass die letzten Kilometer bis nach St. Malo nicht wirklich zu den genussreichsten dieser Reise zählen.

Und kurz vor Etappenende macht mein Hinterreifen schlapp. Genau an der Stelle, an der vor ein paar Tagen ein Steinchen den Platten verursachte, beult sich der Reifen aus und verformt sich. Fahren lässt sich die Fuhre schon noch einigermassen, aber nur mit etwa 12 Km/h. Zum guten Glück passiert das erst am Ende der Radreise, denn Reserveschläuche habe ich sehr wohl dabei, einen Ersatzreifen jedoch nicht. Und 18-Zoll-Reifen wird man hier wohl nicht an jeder Ecke finden. Merke: 1) Marathon Racer laufen gut auf Asphalt, sind aber nicht die erste Wahl auf Frankreichs Strassen und 2) man tut gut daran, beim Birdy einen Ersatzreifen mit zu schleppen.
Der Reifen hält aber noch durch.

An der Stadtgrenze sind wir mit den Schildern des Fernverkehrs konfrontiert sind und finden erstmal keinen Weg in die Innenstadt, genauer gesagt in das nach dem Krieg wieder aufgebaute historische Stadtviertel, Intra Muros genannt. Ein älterer Fussgänger erklärt uns gestenreich den Weg. Nach ein paar Minuten überholt er uns mit seinem Auto und korrigiert sich, er habe uns was Falsches erzählt, genau wie die Polizeistreife in Nogent-le-Rotrou. Hilfsbereit sind die Leute hier, muss man wirklich sagen. Schliesslich finden wir doch noch in die Altstadt und ich rolle wie auf rohen Eiern über das Kopfsteinpflaster bis zu unserem Hotel.

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    Start zur letzten Etappe  
       
    Der Mont St. Michel...  
       
    ...verschwindet allmählich aus unserem Blickfeld  
       
    Zeitweise wähnt man sich auf dem Donauradweg...  
       
    ...wie im Donauried bei Riedlingen  
       
  Nach St. Benoit-des-Ondes ein letzter Blick zurück...
   
  ...dann muss man sich eher den profanen Dingen zuwenden: mein Reifen macht langsam schlapp. Wird er noch bis nach Hause durchhalten?
   
  Dann sind wir da...
   
  ...endlich...
   
  ...St. Malo
   
  da kann man ruhig auch mal die Füsse ins Wasser tauchen
       
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